Einige Jahre ist es nun schon her,...
Ich hoffe, Sie merken, daß dieser keineswegs begnadete Schreiberling das Eintreten der narrativen Kausalität ersehnt, da er selbst unfähig ist, sich eine interessante Geschichte einfallen zu lassen.
...und trotzdem hat er sich noch nicht davon erholt." Die Frau im scharlachroten Kleid regte sich zurecht auf, interpretierte man die Miene ihres Gegenübers falsch. Seine Züge ließen einen zwar in dem Glauben, er stimme mit ihr überein, jedoch verriet der Ausdruck seiner Augen - wohl eine Mischung aus Langeweile, deutlicher intellektueller Unterforderung, sowie einer tiefen Abneigung gegen diese Frau im Speziellen, aber auch Frauen wie ihr im Allgemeinen -, daß er sich im Grunde weder für sie, noch ihre philisterhaften Attitüden interessierte.

Ihre Leiche ließ er schließlich mitten auf der nur spärlich beleuchteten Straße liegen, an ihrem Arm ein Zettel, "Ich hasse rote Kleider."
Links und rechts der Straßen türmten sich die Gebäude bedrohlich in den bewölkten Himmel. Doch in den Straßen war etwas weitaus Bedrohlicheres und ging seinem grausamen Handwerk nach.

Wer oder was das auch immer sein mag - dieser armselige Versuch, mit einem dahingeknallten Satz Spannung kreieren zu wollen, schlägt schon im Ansatz fehl. Dazu kommt noch, daß er völlig ohne Folgen für den weiteren, zugegebenermaßen äußerst dummen, Handlungsverlauf ist.

"Natürlich bin ich mir bewußt, daß es eine harte Aufgabe sein wird, diese Mordserie aufzuklären. Dennoch bin ich der Überzeugung, aufgrund meiner fachlichen Kompetenz genügend vorbereitet zu sein, das Unmögliche zu schaffen."
Solche Worte können ohne Zweifel nur aus dem Munde des Helden kommen. Jetzt stellt sich eigentlich nur noch die Frage, welche Art von Held der selbsternannte Autor bevorzugt: Den Stereotyp, strahlender Held, ein Vorbild für seine Mitmenschen, ohne jeglichen Makel, einziges Laster: Rauchen, doch verzeihbar. Oder eher den Stereotyp "Antiheld". Ein ziviler Versager auf der ganzen Linie, geschieden, Tochter, die ihn haßt, Vergangenheitsbewältigung mit Hilfe von extensivem Alkoholkonsum. Trotzdem ist er ein guter Polizist, war vielleicht sogar einmal "einer der Besten".
Diesmal stand auf dem Zettel: "Ich hasse gelbe Hüte."

Nun wird es eigentlich Zeit für den allseits beliebten, markigen, makabren, aber durchaus nicht gerade von überdurchschnittlicher Intelligenz zeugenden Kommentar des von allen ob seiner Coolness und Unerschütterlichkeit bewunderten Helden. Und trifft meine Einschätzung des Schreibers zu, so wird diese ach so undurchschaubare Geschichte noch um einen weiteren Überraschungseffekt - fast hätte ich das Attribut "Paukenschlag" verwandt - bereichert.
"Entweder ist der Typ farbenblind, oder er hat was gegen Kleidungsstücke." Niemand lachte.
Kein Wunder. Dieser einfallslose Kommentar des Helden unterstreicht einmal mehr die Phantasielosigkeit des, wohl zu seinem eigenen Schutz, unerkannt bleiben wollenden Autors. Womit man sich schon eine gewisse Meinung über dessen Tapferkeit bilden kann.
Die Frau war 34 und jetzt eine Leiche.
An Plumpheit kaum zu übertreffen.
Auch hier war das Messer die bevorzugte Tatwaffe. Scheinbar handelte es sich bei dem Täter um einen geistig nicht gesunden.
PC at its best. Zu der Zeit, als es noch erlaubt war, das Wort "Irrer" zu verwenden, hätte man hier wohl auch "Irrer" lesen können - ein weiterer Hinweis auf den beinahe unerträglichen Mut des Schreibers.

Große Ereignisse standen an. Ereignisse, die Entscheidungen forderten. War sein Mut groß genug? Er hoffte es aus vollem Herzen. Ein Sieg der Vernunft, und auch das Schmerzlichste, was ihm passieren konnte. Warum ist die Welt so ungerecht und das Leben so beschissen? Traurigkeit und Schmerz waren von nun an die wesentlichen Bestandteile seines Daseins; verbannt waren Freude und Glück. Nur die Hoffnung lebte noch in ihm.
Kann mir bitte jemand verraten, wozu dieses belanglose Phrasengedresche gut sein soll? Egal, welchem ominösen Zweck es auch dienen mag - es ist einfach grauenhaft. Man möge mir meine diesbezügliche Plakativität verzeihen.
Behauptete jemand, er wäre ein Irrer, irrte er sich. Er folgte durchaus logischen Gesichtspunkten. Im Gegensatz zum Großteil seiner Mitmenschen allerdings pflegte er seine wahren Gedanken nicht durch eine Maske der Freundlichkeit zu überdecken. Ganz im Gegenteil, diese Art pretentiösen Verhaltens war ihm voll und ganz zuwider. Selbstverständlich stieß er dabei hauptsächlich nicht gerade auf Gegenliebe.
So wie der Autor wahrscheinlich mit dieser Kurzgeschichte. Dieses pseudo-psychologische Gewäsch über einen noch nicht einmal bekannten Charakter ist weder für den Leser interessant noch wissenschaftlich fundiert. Einfach amateurhaft.
So machte er beispielsweise aus seiner Aversion gegen grelle Farben keinen Hehl. Warum er dann jedoch gerade Polizist geworden ist - das weiß so recht niemand.
Und ich vermute stark, das will auch so recht niemand wissen.
Aber dieses Mal war er sich ganz sicher. Er wußte, was zu tun war.
Ganz im Gegensatz zu diesem unqualifizierten Schreiberling. So langsam habe ich die Meinung, man sollte solche selbsternannten Autoren strafrechtlich verfolgen und ihnen verbieten, jemals Schreibwerkzeug zu benutzen.

So ging er also in das Büro des Polizeichefs, das seinem direkt gegenüberlag,...
Wie überaus wichtig für die Handlung. Bitte im Hinterkopf behalten, lieber Leser - falls es jemand bis hierhin ausgehalten haben sollte.
...legte ihm die Dienstmarke auf den Tisch, zog seine Waffe, und mit den Worten "Ich hasse grüne Uniformen" schoß er sich in den Kopf.

Er hatte also Recht behalten und das fast Unmögliche geschafft. Er hatte den Fall gelöst, im Alleingang.
Ein sehr intelligentes und in der Tat überraschendes Ende. Ich habe es ja schon die ganze Zeit gewußt: Der hochgeschätzte Autor ist eine Person mit großer Begabung. Nicht nur versteht er es, den Leser mit einer spannenden Handlung zu fesseln, er präsentiert den innovativen Inhalt zusätzlich noch in einer formal perfekten und stilistisch angemessenen sehr anspruchsvollen Verpackung. Ich persönlich freue mich auf weitere Publikationen.

 

© Ulf '98
 
 

Zurück zum die Auswahl von das lustig Dingelein